Das Gute am Staatstrojaner ist… (Update)

Das Gute am Staats- und Bayerntrojaner ist, dass die durch ihn gewonnenen, sogenannten Beweise jetzt keine Beweiskraft mehr haben. Denn seitdem klar ist, dass die vom CCC untersuchten Varianten des Staatstrojaners die Möglichkeit beinhalten, der beobachteten Maschine alles Mögliche unterschieben zu können, also z. B. auch beliebige Dateien auf den Ziel-PC nachladen zu können, kann dieses Trojanische Pferd nicht mehr zur Beweissicherung dienen.

Ebenso gut könnte ich Ihnen heimlich nachts C4 vor die Tür legen und dann behaupten, Sie hätten vor gehabt, die Welt zu vernichten… oder auch nur Ihre gehasste Nachbarin. So gehts halt nicht.

Die Ermittlungs“behörden“ und der CCC haben also die glaubhafte Abstreitbarkeit gefördert. Vielen Dank! Falls sich in diesem Staat(?) noch ein letztes Korn Rechtsstaatlichkeit wiederfinden lässt, wird das jeder „Richter“ ähnlich sehen.

Die vom Staatstrojaner Betroffenen könnten ja mal eine Gegenklage gegen die Beweiskraft der über diese Unfug-Software gewonnenen „Beweise“ anstrengen. Dann müssten die Ermittlungs“behörden“ nachweisen, dass die verwendete Schadsoftware die Funktion des Unterschiebens beliebiger Daten nicht beinhaltete und/oder dass diese nicht benutzt wurde. Wie man sowas beweisen will, soll mir mal einer verraten. Hierzu müssten die Behörden ja für jeden einzelnen Fall den Quellcode der Software offenlegen sowie ein sauberes Protokoll aller Maßnahmen vorlegen.

Leider habe ich zu diesem hervorragenden Aspekt weder vom CCC noch von sonst irgend einer Seite etwas hören oder lesen können.

Noch zwei Randnotizen:

  1. Mangelhaft finde ich die Tatsache, dass selbst der CCC ein Trojanisches Pferd als „Trojaner“ bezeichnet. Remember: Die Trojaner waren die Bewohner Trojas, also die „Guten“!
  2. Bisher ist mir nur bekannt, dass man sich dieses Stück Schadsoftware über E-Mail-Anhänge und über den direkten Kontakt mit dem Notebook/PC holen kann.
    Man müsste also (1.) sein E-Mail-Programm so eingestallt haben, dass Empfänger nicht mit ihrer vollständigen E-Mail-Adresse angezeigt werden, (2.) Anhänge von Unbekannten öffnen und (3.) dieser Anhang müsste ein ausführbares Programm oder eine aktive Komponente, wie z. B. ein VB-Script etc. enthalten. oder (4.) über die E-Mail wird ein Link zu einer Webseite angeklickt, die ähnliches beinhaltet. Oder aber, man lässt sein Notebook für einige Momente an einem öffentlichen (Flughafen, Bahnhof…) oder privaten Ort unbeaufsichtigt, so dass jemand per USB-Stick das Trojanische Pferd installieren kann.
    Aber wer weiß, vielleicht lässt sich der Schadcode auch über ganz gewöhnliche, vertrauenswürdige Webseiten via Java installieren?

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5 Gedanken zu “Das Gute am Staatstrojaner ist… (Update)

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  3. Endlich ein gut zu lesender Post, besten Dank. Muss man sich nochmal in Ruhe durchlesen. Generell finde ich den Blog gut zu lesen und leicht zu verstehen.

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