Was hat Liebe mit Weltfrieden zu tun?

Warum Liebe und Sexualität ein zentrales Forschungsthema in Tamera ist.

Von tamera.org. Auszug aus der Projekterklärung Monte Cerro – von Dieter Duhm

Die Liebe zwischen Mann und Frau ist etwas vom Schönsten, was auf unserer Erde erlebt werden kann. Niemand, der oder die sich in diesem Liebeszustand befindet, kann sich vorstellen, daß er jemals zu Ende sein könnte. Und doch scheitern fast alle Liebesbeziehungen. Die menschliche Gesellschaft lebt in einem kollektiven Liebeskummer. Der Bereich, wo wir das Schönste erleben könnten, wird für die meisten ein Bereich tiefer Enttäuschung, tiefen Leids, tiefer Wut und oft endgültiger Resignation.

Das Thema Liebe ist ein Weltthema. „Es kann in der Welt keinen Frieden geben, solange in der Liebe Krieg ist.“ Gemeint ist der alltägliche Kleinkrieg der Geschlechter – mit seinen schlimmen Folgen für die Kinder. Es sind Kinder, die später als Soldaten in die Kriege ziehen und die Erde verwüsten. Diese Kinder wurden von Eltern gezeugt, die meistens kein sehr überzeugendes Bild der Liebe vorleben konnten. Die Erde befindet sich von Generation zu Generation in einer Situation der unerfüllten Liebe, die von Generation zu Generation zu immer schlimmeren Schmerzen und Verwüstungen führt. Der innere Zusammenhang zwischen unerfüllter Liebe auf der einen Seite und Krankheit oder gnadenloser Brutalität auf der anderen Seite kann heute in jedem Heim und in jeder Biografie gewalttätiger Jugendlicher nachvollzogen werden.

Wir finden ihn in der Lebensgeschichte aller Despoten (siehe die Arbeiten von Alice Miller), und wir finden ihn auch in der Kasuistik psychosomatischer Erkrankungen, wenn wir die Symptome richtig zu deuten verstehen. „All you need is love.“ Die Menschheit braucht Erfüllung in der Liebe, um wieder auferstehen zu können.

Was für eine Liebe ist gemeint?

Jede Liebe. Sinnliche Liebe, seelische Liebe, religiöse Liebe, Nächstenliebe, Tierliebe, Partnerliebe. Im Zentrum steht die Wiedervereinigung der beiden Hälften des Menschen: Mann und Frau. Im Kern des menschlichen Zusammenlebens steht das Zusammenleben der Geschlechter. Ihre Anziehung oder Abstoßung, ihre sexuellen Signale und Verkabelungen, ihre Hoffnungen und Enttäuschungen ziehen sich wie ein geheimes Nervensystem durch die ganze menschliche Gesellschaft, durch jedes Büro, jedes Kaufhaus, jede Versammlung, jede Gruppe. Die beiden Hälften des Menschen sehnen sich nacheinander, verfehlen sich, bekämpfen sich und suchen sich, bis sie sich gefunden haben. Sie müssen sich finden, nicht nur zu zweit, sondern weltweit, denn erst dann kann die tiefste aller Wunden heilen. Von ihrer harmonischen Verbindung hängt weitgehend das Glück oder Unglück der Kinder – und somit aller Menschen – ab, denn wir alle sind einmal Kinder gewesen.

In der Heilung der Geschlechterliebe liegt wohl der revolutionärste Schritt gegenwärtger Heilungsarbeit – nach tausendjähriger Unterdrückung und Verleugnung in der patriarchalen Epoche. Eine neue, humane Kultur wurzelt in einem neuen Verhältnis der Geschlechter.

Wir stehen deshalb vor der zentralen Forschungsfrage: Wie kann der (offene oder latente) Geschlechterkrieg wirksam beendet und durch eine dauerhafte und verläßliche Solidarität ersetzt werden? Wie kann das Glück zweier verliebter Menschen dauerhaft geschützt und bewahrt werden, ohne daß sie es schützen müssen durch zu enge Zäune? Gibt es ein realisierbares Modell der Liebe, wo die Wünsche nach Partnerschaft vereinbar sind mit den Wünschen nach sexuellem Abenteuer und wo die Sehnsucht nach Treue und Intimität nicht verbunden ist mit Verlustangst und Klammerung? Gibt es eine Form des Zusammenlebens, wo die sexuelle Zuwendung eines Menschen zu einem anderen in einem dritten nicht mehr Angst, Wut und Rache hervorruft? In was für eine zwischenmenschliche Kultur, was für eine Vertrauensstruktur, was für eine Form zwischenmenschlicher Wahrheit und Akzeptanz müßte eine solche Liebe eingebettet sein? Auf welcher höheren Ordnungsebene sind Partnerliebe und freie Sexualität miteinander vereinbar?

Unter welchen sozialen, sexuellen, ethischen und spirituellen Bedingungen ist eine erfüllte Liebe dauerhaft möglich? Gibt es ein Verhältnis von Religion und Eros, welches beide Seiten steigert und vereint?

Wir geben auf diese Fragen keine ideologischen Antworten, sondern wir suchen nach neuen Erfahrungsräumen für Wahrheit und Erkenntnis. Die neue Epoche braucht ein neues Bild der Liebe und neue Geschlechterrollen für Mann und Frau. Dieses Thema ist ein Kernthema des anstehenden planetarischen Transformationsprozesses. Es kann nur in Verbindung mit allen anderen Themen gelöst werden. Die Lösung beginnt nicht mit einem konfessionellen Bekenntnis zu Monogamie, Polygamie oder Zölibat, sondern mit einer inneren Wahrheit, die unterstützt wird durch die Wahrheit anderer. Es ist ein Wahrheitsfeld, aus dem die Heilung kommt. Die innere Wahrheit, die aus der Quelle kommt, kann sich ebenso in vorübergehendem Zölibat wie in sinnenfroher Polygamie äußern, je nach der Entwicklungsphase, die gerade durchlaufen wird.

Wahrscheinlich werden auf dem Weg der Wahrheitsfindung alle Varianten durchlaufen werden, bis es hier – im schwierigsten und heimlichsten Bereich – zu einer gemeinsamen Verständigung und Erleuchtung kommt. Von da an fällt eine Last vom Herzen der Menschheit.

Den ganzen Text herunterladen (pdf)

2 Gedanken zu “Was hat Liebe mit Weltfrieden zu tun?

  1. Pingback: Innere und andere Schweinehunde. « Local Change 2011

  2. Pingback: Heilung der Liebe – Warum wir das Thema der Geschlechterliebe ins Zentrum unseres Projekts stellen mussten. (tamera) | Klardenker Esslingen a. N.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s