Neues aus Stuttgart (4) – Kritik an der Kritik

Weil ich bei der 6. Aktionskonferenz gegen S21 am 16. Februar kein Wort erhielt, mache ich meine Rede nun auf diesem Weg bekannt. Bereits bei der 5. Aktionskonferenz gab es eine „emotionale Rede“ aus der Blockadegruppe, an die ich anknüpfen will.

Seit September, also seit ca. sechs Monaten, bin ich in verschiedenen Arbeitskreisen, Fach-, Aktionsgruppen und regelmäßigen Treffen „gegen“ Stuttgart 21 aber auch außerhalb der Parkschützer und des Aktionsbündnisses tätig. Auch vorher war ich schon aktiv, aber nicht in direktem Bezug zu Stuttgart 21. Aufmerksam gemacht hat mich ein Freund, der mir zeigte, dass in Stutgart viele verschiedene Themen aufeinandertreffen.

Meine Position ist, dass ich nicht pro oder contra, sondern für absolutes Mitspracherecht bin. Es ist nicht länger und war noch nie tragbar, dass für alles Mögliche Gelder vorhanden sind, einschließlich sinnfreier Bahnhofs-, Bau- und Immobilienspekulationsprojekte, die kaum jemand haben will, aber der Staat gleichzeitig Schulen vernachlässigt und für jede minimale Ordnungswidrigkeit, die sonst niemand bemerkt hätte, Abzocke betreibt. Selbst wenn Stuttgart 21 Sinn ergeben würde, käme es nicht einfach nur auf die Sinnhaftigkeit an, sondern darauf, ob die Menschen es wollen. – Und wenn der Steuerzahler für alles herhalten soll, dann muss er auch gefragt werden. Diese Auffassung ist mit dem „System“ natürlich unvereinbar, und deshalb sollten wir das System nicht mehr benutzen.

Ziellos. In diesen sechs Monaten erfuhr ich, dass eigentlich alle Ansatzpunkte für Lösungswege nicht zur Lösung führen können. Ein paar Beispiele:

Keine Rechte. Menschen fragen sich, warum ihre Würde verletzt wird, warum sie völlig unschuldig von Rambo geknüppelt wurden oder warum ihnen Chemie in die Augen gesprüht wurde. Anstatt dies auf Ebene des Völkerrechts zu klären, werden Rechtsanwälte eingeladen, die sich nur mit dem Zivilrecht auskennen.

Demokratie-Hürden. Verheißungsvolle DemokratieInitiativen, die die Landesverfassung ändern wollen, enden bei genauerem Hinsehen damit, dass für ein Bürgerbegehren innerhalb von zwei Wochen 1,2 Millionen Unterschriften in den Ämtern gesammelt werden müssten. Auszug aus den Infos der Bundeszentrale für politische Bildung:

Die Verfassung von Baden-Württemberg sieht landesweite Volksabstimmungen vor. Baden-Württemberg hat allerdings bundesweit die höchsten Hürden für die Bürgerbeteiligung. Diese sind im Land noch kein einziges Mal überwunden worden. Derzeit müssen ein sechstel der Wahlberechtigten (in Bayern 10 Prozent, in Hamburg 5 Prozent) mit ihrer Unterschrift bekunden, dass sie ein Volksbegehren unterstützen. Das sind derzeit etwa 1,2 Millionen Menschen. Dafür haben die Initiatoren des Begehrens zwei Wochen Zeit. Sie dürfen die Unterschriften auch nicht auf der Straße sammeln. Vielmehr liegen die Listen nur in Ämtern aus.

Landtagsauflösung. Die Unterschriftenlisten zur Auflösung des Landtages haben sich schnell gefüllt. Dass die Aktion höchst effektiv sein könnte, sah man daran, dass das Auto einer Aktivistin geknackt, einige Listen geklaut wurden und sich dann zerkleinert und mit Hundekot verschmiert in ihrem Briefkasten wiederfanden. Wenn es Anzeichen gibt, dass eine Aktion gefürchtet wird, dann sind es wohl diese. Klasse Aktion! – Doch wozu soll man den Landtag kurz vor den Wahlen noch auflösen?! – Interessant dazu auch dieser Artikel vom Finkenwarder Boten.

Rechtsfragen. Alle anderen Rechtsfragen bleiben auch weiter ungeklärt: Landauf landab fragt man sich noch, ob das alles so verfassungsgemäß und rechtlich okay ist, mit den Deals. Ja! Es ist völlig legal, wenn firmenähnliche Rechtskonstrukte wie die Bundesrepublik Deutschland mit anderen Firmen Verträge abschließen, und die Bürger nunmal nicht zu Sachthemen befragt werden müssen.

Landtagswahlen. Das System, aus Sicht des Gutdenkmenschen die sogenannte „Parlamentarische Demokratie“, funktioniert, in dem wir unsere Stimmen abgeben; das ist systemimmanent und neben dem Recht, Shoppen zu gehen, auch schon unser einziges Recht. Abgegebene Stimmen sind bekanntlich weg.

Alle schauen nun auf die Wahlen. Die Wahlen werden alles ändern; der Mappusconi kommt weg, und der Filz zwischen Politik und Wirtschaft verschwindet dann von ganz alleine. Wer glaubt denn so eine Sauce?! Alle fragen sich, „Wo soll und kann ich mein Kreuzchen machen?“ „Wen kann man noch wählen?“ – Die Antwort ist: Wählen bringt langfristig nichts! Wählen bedeutet Krieg. Egal wo Du Dein Kreuzchen machst, die Außenpolitik bleibt immer die gleiche, Angriffskriege dienen dem Erhalt unseren Wirtschaftsinteressen (oder doch eher den Waffenfirmen?) und die Innenpolitik ändert sich auch nicht grundsätzlich. Die Grünen machen direkte Demokratie möglich?! Wie bitte?! Die Grünen sind Verarschung. Sie sind die Partei, die sich grundsätzlich immer nach dem Wind dreht – und dies auch oft tun mussten, weil sie ständig Koalitionen eingehen mussten. Koalitionen bedeuten Kompromisse, Kompromisse bedeuten, dass das eigentliche Ziel letztlich auf der Strecke bleibt.

Nicht wählen bringt auch nichts. Aber statt nun darüber zu spekulieren ob Grüne oder Linke interessanter sind, könnte man auch die Macht der Gemeinschaft nutzen, eine Verschwörung bilden und eine kleine Partei empfehlen, die wirklich direkte Demokratie, Eigenverantwortung und einen schlanken Staat unterstützt und auch im Programm hat. Zur Auswahl stehen meiner Ansicht: Piratenpartei, die PdV, die ödp und die Violetten.

Was haben wir nun also bisher erreicht? – Der Verkauf von T-Shirts schafft vielleicht ein Wir-Gefühl, aber S21 verhindern kann das nicht.

Sinnlose Sprüche. Bei Demos trage ich grundsätzlich keine Plakate mit degradierenden Sprüchen und spreche auch nicht Chöre wie „Mappus weg“ oder „Rech wech“ mit. Vielleicht wird später in diesem Beitrag noch deutlich, warum ich das nicht tue. Es gibt aber natürlich auch einzelne Plakatsprüche und Aktionen, die mir doch ganz gut gefielen.

Kuriose Plakate. Ob die Ingenieure gegen Stuttgart 21 wohl eine Parallele zu den Architects and Engineers ziehen wollen? Und dieser Herr hier hat offenbar schon länger nicht in seinen Personalausweis geschaut, oder? Was steht dort?

Zur Verbalakrobatik der „Bewegung“: Widerstand ist eine hemmende Kraft. Ich bin für mehr Induktion statt Widerstand und statt zwecklosen Blockadetrainings, in denen es darum gehen soll, wie man sich ankettet, Bäume besetzt, sich wegtragen lässt oder was zu tun ist, wenn man einen gelben Brief nach Hause bekommt. Stattdessen könnte man den Menschen ja sagen, wie sie echte Souveränität und Selbstbestimmung ausüben könnten. Aber Fritz Mielert hat das offenbar nicht vor. Vor was hat er Angst?

Oben bleiben: Diese Phrase gleicht in etwa dem Spruch „Yes we can“. Der Spruch an sich ist okay; sein Ausgang ist aber auch jedem bekannt. „Oben bleiben“ ist zwar der kleinste gemeinsame Nenner aller S21-Verhinderer bzw. K21-Befürworter, weil der Bahnhof oben, also ein Kopfbahnhof bleiben soll, aber er sagt nunmal nicht viel aus, es ist keine konkrete Handlungsaufforderung enthalten. – Erfunden wurde der Spruch von Walter Sittler; es hätte mich aber nicht gewundert, wenn eine PR-Agentur dahinter gestanden hätte. Warum heißt es z. B. nicht „Steuern vermeiden“, „Völkerrecht in Anspruch nehmen, nicht das Grundgesetz!“ oder ähnliches?

Die Aktionsideen sind vielfältig und kreativ, das sehe ich. Nicht nachvollziehen kann ich jedoch alle diejenigen, die z. B. „Die Merkel einladen“ wollen. Schaut mal her: Mit „Dear Mr. President“ hat die Sängerin Pink sogar einen Charts-Hit produziert. Was hat sie erreicht?! Hat sie jemals mit dem Präsidenten einen Dialog geführt, oder ist es bei diesem Monolog geblieben? Und wenn ja, was hat sich geändert?

Ziviler Ungehorsam. Am 13. Februar gab es eine Veranstaltung „Kann Stuttgart 21 durch zivilen Ungehorsam verhindert werden?“ Hieran anknüpfend muss ich feststellen, dass sich das Verständnis von „Zivilem Ungehorsam“ dringend ändern muss. Trillerpfeifen, Sitzblockaden, Vuvuzuelas, Krach machen, „Mappus weg“ rufen, das ist schön und gut. Ich kann respektieren, dass jeder auf einer anderen Ebene arbeitet. Bei einer solchen Anzahl Menschen muss man unterschiedliche Wege gehen, um zu dem gleichen Ziel zu kommen. Trotzdem denke ich nicht, dass sich grundlegend etwas ändern wird, wenn nicht effektiverer Ungehorsam hinzukommt.

Aber anstatt die Kreativität einzuschalten, das eigene Handeln und Denken zu revidieren, schauen viele darauf, dass Merkel oder Mappus zu Besuch kommen, oder dass am 27.2. Wahlen sind…

Die Merkel kommt! Was soll das Hecheln nach Luft, wenn Mappus, Merkel oder irgendein anderer Politiker dieser Verbrecher-Parteien irgendwo zu Besuch kommen? Es läuft doch immer so ab, dass sich die S21-Gegner bzw. K21-Befürworter dort einfinden, und wenn Mappus aus seinem Auto stolziert, dann kommen lauthalsige Buh-Rufe, „Mappus weg“, „Oben bleiben“ und anderes destruktives Gegröhl. Ich sage nicht, dass ich das an sich verurteilen würde, denn ich weiß dass bei jedem Einzelnen auch gute Argumente dahinterstehen und dass man sich manchmal auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen muss, und dann kommen solche Dinge wie „Mappus weg“ dabei heraus. Kein Problem damit. Was ich mich aber frage ist: Was soll das bringen? Liegt es nur an der Kreativlosigkeit?

Leider gibt es noch einige weitere Ungereimtheiten:

Gangolf Stocker will eigenwillig zehn (bisher sechs) Gerichtsverfahren gegen ihn aussitzen und ggf. in Berufung gehen, obwohl er bereits eine völlig schmerzlose und einfache Lösung hierfür kennt. Warum? Will er als Heuchler gelten? Ich hoffe, Herr Stocker verwendet für diese Verfahren, für seinen Anwalt und die sonstigen Nebenkosten nicht auchnoch Spendengelder! Wenn dem so sein sollte, veruntreut er m. E. nach diese Spendengelder.

Unternehmer. Die Unternehmer gegen Stuttgart 21 (UgS21) verurteilen die Tipps des AK Steuerungehorsam als Steuerhinterziehung. Sie löschen Mitglieder, lassen diese nicht zu Wort kommen. Warum? Wollen die UgS21 überhaupt S21 stoppen? Das sieht mir nicht so danach aus. Sind die UgS21 auch nur Heuchler? Nein, nur die Organisatoren würde ich so bezeichnen, denn viele andere Unternehmer haben bereits positive Rückmeldungen an diesen Arbeitskreis gegeben. Warum wollen die Organisatoren bzw. die Administration der UgS21 also so dringend verhindern, dass die Information des AK Steuerungehorsam an die Unternehmer weitergeleitet wird? Seltsam in jedem Fall.

Befürworter direkter Demokratie zerstritten. Was haben einzelne Personen gegen die Demokratie-Initiative 21? Warum degradiert Mehr Demokratie e.V. die D-I 21, anstatt zusammenzuarbeiten? Wird hier versucht, eine Bewegung zu unterdrücken, die eigentlich das gleiche Maß an Aufmerksamkeit verdient hat? – Wenn eine der beiden Initiativen einen ersten Schritt gemacht hat, weil sie eben nun schonmal „anfangen“ wollte, warum wird das nicht anerkannt?! Wie kann man dabei gegen die anderen hecheln, während man selbst außer Befragungen noch gar nichts rechtlich Handfestes zustande gebracht hat?

Zur Übersicht. Mehr Demokratie e.V. sammelt statt Unterschriften für ein Bürgerbegehren Unterschriften für Beitritte zu ihrem Verein und darüber hinaus auch Spendengelder (was mir grundsätzlich unsympathisch ist) und orientiert sich an demoskopischen Umfragen, während die Demokratie-Initiative einen konkreten Änderungstext der Landesverfassung Baden-Württembergs hat und schonmal damit angefangen hat, Unterschriften für ein Bürgerbegehren zu sammeln, also bereits ganz konkret an den rechtlichen Schritten arbeitet.

Parteienverbundenheit. Alle Schlüsselpersonen bei den Parkschützern und beim Aktionsbündnis stehen für irgendeine Partei, meist für die Grünen oder für die Linke. Warum? Wer ist eigentlich neutral?

Eigenverantwortung unerwünscht. Warum wurde die Idee der „selbstorganisierten Bürgerbefragung“ von den Parkschützern und dem Aktionsbündnis direkt abgelehnt? Mir scheint es so zu sein, dass beide etwas gegen Selbstbestimmung und Selbstermächtigung haben. Warum nur? Angst vor Machtverlust?

Organisation vs. Chaos. Warum findet die Gruppe Direkte Demokratie (aka Ständige Konferenz) keinen Organisationsgrad?! Auch wenn es so ist, dass jede Woche ein Teil neue oder andere Teilnehmer dabei sind, könnte doch wenigstens das eingerichtete Forum oder die Mailingliste benutzt werden. Ist der Wille, alle Themen auszudiskutieren und einen Konsens zu finden konträr zu einer Form der Organisation und Zusammenarbeit?

Das Parkschützerforum war zu seinem Beginn ein Ort des kontroversen Austauschs und des sich informiert haltens. Bis die Beiträge der besten Schreiber irgendwann zensiert und dann die Nutzer selbst gelöscht wurden; man hat sogar extra für die Löschung neue Regeln eingeführt. Bei der Begründung (wenn es überhaupt welche gab), war der mehrfache Vorwand laut den Diskussionsregeln: Inhalte spekulativer Natur und wissenschaftlich zweifelhafte Theorien (Verschwörungstheorien) sind nicht zulässig. Was damit gemeint sein könnte, bleibt unklar. Sämtliche auch mit Fallbeispielen versehene Nachfragen, was unter „Verschwörungstheorien“ verstanden wird, blieben unbeantwortet. Die Nachfragen selbst wurden dann sogar gelöscht! Fakten werden dort offenbar als Verschwörungstheorien abgetan. Antonio Landsberger ist hier der Chef. Was nicht in sein Weltbild passt, bleibt draußen. – Selbstverständlich ist die Seite sein Haus und er bestimmt die Hausordnung. Aufmerksam darf ich aber darauf machen, dass die Verantwortlichen durch diese Vorgehensweise zahlreiche Parkschützer verärgert und immer weniger hinter sich haben. – Die oben erwähnten Diffamations-Agenten bleiben dagegen ungestraft. Ergebnis ist, dass so auch keine kritischen Artikel mehr geschrieben werden, und man dort bald nur noch das lesen können wird, was ohnehin schon in der Zeitung steht, Einheitsbrei eben. Dafür bin ich nicht Parkschützer geworden. Der ursprüngliche Character des Forums ist verloren gegangen. Schade. Liegts nur an dieser einen Person, oder steht ein beabsichtigtes Programm dahinter?

Verschwörungstheorie-Theoretiker. Ich wünsche wirklich niemandem, auch Herrn Landsberger nicht, irgendwann morgens aufzuwachen und die ganze Welt ist plötzlich eine Verschwörungstheorie. MTV zeigt an diesem Morgen in der ARD ein Musikvideo, in dem Sigmar Gabriel 33 Mal hintereinander sagt, dass Deutschland eine NGO ist, und Jürgen Trittin spricht 6 Mal von einer Firmenleitung. Herr Landsberger recherchiert spaßeshalber alte Begriffe wie Vorratsdatenspeicherung, Geldsystem oder Zins und Zinseszins und kommt auf diesem Weg zu Wahrheiten wie Aspartam, Aluminium und Barium in der Luft, Morgellons, weltweite Insolvenzverschleppung, Geoengineering, HAARP, Monsanto, Geheimarmeen der NATO und Uranmunition. – Das könnte sich wirklich schlecht anfühlen. Ende Akte Landsberger.

Echte Verschwörungstheorien. Wahrscheinlich spinne ich total. Das ist alles nur von mir ausgedacht. Bielefeld gibt es ja gar nicht und zweiköpfige Eichhörnchen greifen Menschen im neuen Schlosspark an (das überrascht doch niemanden mehr), Außerirdische verursachen eine Dummheitsepedemie über das Telefonnetz (als hätten sie das vorher noch nie getan), auf dem Mars wird ein Vergnügungspark entdeckt (so als gäbe es da nicht schon längst einen), und Raumschiffe werden aus alten VWs gebaut (hatten wir auch schonmal). Alles Spinner hier, diese Spinner. Sollen halt ihre Raumschiffe nehmen und wegfliegen! Verschwörungstheoretiker!!! Cranks! Trolle!

Lösungen

Wie lange wollt IHR euch noch mit uneffektiven Maßnahmen herumschlagen?

Wie lange wollt IHR noch an ein illusorisches Recht glauben, das IHR nicht habt?

Nicht mehr mitspielen. Wer dieses System des Parteien- und Wirtschafts-Filz, des Kapitalismus, des Geldsystems welches Kriege unterstützt, der parlamentarischen Demokratie-Illusion … endgültig satt hat, der sollte es doch nicht tagtäglich in Anspruch nehmen! Ich frage deshalb: Was tut Ihr, um Parallelstrukturen zu errichten?! Was tut Ihr, um Steuern nicht mehr zu zahlen? Was tut ihr, um ein Geldsystem zu benutzen, das Zins und Zinseszins nicht mehr benötigt und dem Menschen dient und nicht umgekehrt? Was tut Ihr, um auf Parteien und Wirtschaft insgesamt langfristig verzichten zu können? Habt Ihr alle schon Eure Permakultur im Garten? Habt Ihr überhaupt einen Garten? Was schmiert Ihr Euch täglich so aufs Brot? (Keine Sorge, genauso müssen sich AKW-Demonstranten die Frage gefallen lassen, ob sie schon einen Holzofen haben; der Wechsel des Stromanbieters bringt in einem Energiemix-System kaum etwas.)

Ich weiß ja, man kann nicht alles haben, und schon gar nicht alles auf einmal. Wir atmen alle das gleiche Aluminium und Barium ein.

Worüber ich mich aber wundere ist diese Art, seine Zeit mit völlig uneffektiven Maßnahmen zu verbringen, wie z. B. dem Besuch irgendeines arroganten Politikers. – Wenn im Jahr 2011 noch Menschen zu einem Besuch von Frau Merkel kommen (und meiner Erfahrung nach sind das 90 Prozent ältere Mitmenschen, meist im Rentenalter), dann sind die doch eh nicht von Argumenten zu überzeugen.

Ziviler Ungehorsam Plus. Wie wäre es mal mit:

1. Lästige Dogmen/Glaubenssätze abbauen, die für die Erreichung unserer (Ihrer?) Ziele ohnehin blockierend wirken.

2. Obrigkeitsdenken radikal beenden; lernen, wie man Selbstermächtigung und Eigenverantwortung übt.

3. Ego-Trips überwinden, mit dem Nächsten wieder vernünftig reden, echte Zusammenarbeit ermöglichen.

4. Aktive Parkschützer: Zufahrtsstraßen zu den Baustellen effektiv blockieren (LKW-Kolonnen parken und dann die Luft aus den Reifen lassen, haha).

5. Parallelstrukturen aufbauen in jeder Hinsicht. Machen Sie den Staat nutzlos.

6. Steuerungehorsam. Steuern aufs Treuhandkonto.

7. Rechtslage klären (im Bezug auf die BRD); Völkerrecht lernen.

8. Nicht mehr Rechtsteilnehmer sein.

9. Geldsystem lernen; Schulden ausbuchen lassen.

Oben war die Rede von mehr Mitspracherecht, größtmögliche Freiheit des Einzelnen. Das wären Ziele, die ich anstrebe. Aber beides kann nur durch Übernahme von Eigenverantwortlichkeit erreicht werden. Dazu gehört auch, dass wir nicht ständig danach rufen, was der Staat alles verkehrt macht. Machen wir es selbst! Bauen wir Parallelstrukturen auf wo es nur geht, anstatt unsere Gelder für Steuern rauszuwerfen, die in Mega-Umverteilungstöpfen wie der EU oder in Ausgleichszahlungen landen.

Wann werden die peinlichen Kleinkriege eingestellt, wann wird von den Verantwortlichen eingesehen, dass „Blockieren“, „Zensur“, und Wegducken hier verkehrt sind? Wann stellen wir die Weichen für echte Zusammenarbeit?

Ich bin sicher, wenn es die gebe, dann könnte Stuttgart 21 in 3-4 Monaten vollständig erledigt sein. Zum Mappusconi, S21-Kartell und der Pizza-Connection gehören nur eine kleine Zahl dunkler Männer. Wir sind haushoch der Überzahl. Und wenn wir ebenso effektiv zusammenarbeiten würden wie die, wäre das Thema schnell erledigt und wir könnten uns um wichtigere Dinge kümmern.

Was denken Sie?

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4 Gedanken zu “Neues aus Stuttgart (4) – Kritik an der Kritik

  1. Pingback: Tweets that mention Neues aus Stuttgart (4) – Kritik an der Kritik « Local Change 2011 -- Topsy.com

  2. Ich habe eben meinen Account bei den Parkschützern gelöscht. Das tut mir immer noch sehr leid. Aber zu viele der hier genannten Gründe waren genau der Punkt! Insbesondere der Abschnitt „Das Parkschützerforum“ spricht mir bzw. meinen persönlichen Erfahrungen voll aus dem Herzen bzw. auch die Idee hinter den „Lösungen“.

    Ich habe mich ebenfalls gefragt: wie lange sollen die Demos weiterlaufen? Bis der Schlossgarten komplett zerstört ist?

    Wo bleibt denn
    … die alternative Parkschützerwährung zum Geld?
    … der Talent-Pool „Ich suche folgende Leistung und biete diese dafür an – unendgeltlich“?
    … die Parkschützer-Partei?

    Warum dreht sich immer noch alles nur um den Park (der ja EIN TEIL des Ganzen ist und entsprechend nur gerettet werden kann, wenn DAS GANZE auch verstanden bzw. ausreichend gesteuert wird)? Natürlich kann man glauben, dass der Park die Welt ist! Nur fühlt sich der restliche Teil der tatsächlich zurückbleibenden Welt dann eben ausgeschlossen. Wird so das Ziel gelebt, möglichst viele Menschen (auch im Ruhrgebiet, an der Küste etc.) mitzunehmen? Und die Zensur! Soll es Menschen mitnehmen, das auch hier „alles seine imaginäre Ordnung“ hat (vom wem überhaupt aufgestellt)?

    Danke für dieses Top-Essay!

    • Vielen Dank für deinen Beitrag.
      Genau aus diesen und anderen Gründen habe ich mich von den Parkschützern verabschiedet.
      Wirkliche Veränderung wollen nur wenige den viele haben es sich bequem eingerichtet und profitieren von dem Unrechtssystem. Es soll eben alles so weitergehen wie bisher nur der Bahnhof und die Bäume sollen bleiben.
      Aber so funktioniert es nicht.

      Charles

      • Hallo Charles,
        die „anderen Gründe“ interessieren mich auch. Gerne hier als Kommentar, oder per E-Mail an mich! Danke!

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